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Biblische Theologie

Die Biblische Theologie gliedert sich in folgende Teildisziplinen:

             - Einleitungswissenschaft AT

             - Exegese AT

Die Disziplin "Biblische Theologie" orientiert sich an der heute gängigen Übereinkunft des II. Vatikanischen Konzils, wonach die Bibel-Texte als "Gotteswort im Menschenwort" zu verstehen sind. Aus dieser Charakterisierung und dem damit verbundenen Anspruch ergibt sich ihr Aufgabenbereich: Sie bedenkt die Komplementarität von "göttlicher Offenbarung" und "menschlicher Geschichtlichkeit" in der literarisch dokumentierten Form der biblischen Texte.

Indem diese biblischen Offenbarungszeugnisse nach kirchlichem Selbstverständnis als die "Ursprungsurkunde" und Grundlage christlicher Identität und Praxis gelten, erhält die bibeltheologische Aufgabenstellung eine qualitative Spezifizierung: Sie erinnert an die konstitutive Verankerung aller weiterer theologischer Rezeption und Theoriebildung in den biblischen Traditionen, mahnt den kontinuierlichen Rückbezug an und ermöglicht ihn.

Hierfür versucht die bibeltheologische Disziplin, die Zeugnisse des Alten und Neuen Testaments in ihrer je spezifischen Authentizität in den Blick zu bekommen: Sie erhebt aus dem je eigenen lebensweltlichen Kontext den Ursprungssinn. Dies ist allerdings nur möglich in kritischer Reflexion auf die eigenen Vorverständnisse einerseits und andererseits auf der Basis eines aufmerksamen Bewusstseins für Fremdes, das als solches wahrgenommen sein will. Nur so nämlich eröffnen sich Räume für ein Verstehen des Eigenen - ob auf der Ebene wissenschaftlicher Theologie, die sich reflexiv in Beziehung setzt, oder auf der Ebene existentieller Applikation, die auf lebenspraktische Selbsterfahrung zielt.

Von dieser Zielsetzung her wird die bibeltheologische Exegese auf zwei Arbeitsfeldern tätig: dem der Analyse und dem der Applikation. Im analytischen Bereich geht es um die Texte als zeitgeschichtliche Dokumente: 1. den kontextuellen Ursprung ihrer Entstehung (produktionsorientierte "Diachronie"); 2. das intratextuelle System ihrer Ausformung (adressatenorientierte "Synchronie"); 3. die intertextuelle Situation ihrer Wirkabsicht (leserorientierte "Pragmatik") und 4. die intertextuelle Dynamik ihrer Auslegung und Fortschreibung in der kirchlichen und weltlichen Geistes- und Kulturgeschichte ("wirkungsgeschichtliche" Hermeneutik). Im applikativen Bereich geht es um die Texte als "offenbarende" Kontaktorgane: ihre lebendige Spiegel-Dimension, mit der sie dem Einzelnen als existentielles Individuum wie Mitglied des kirchlichen Kollektiv zurückmelden, wer es ist bzw. sein kann.

Die methodische Arbeitsweise orientiert sich an Inhalt und Intention der beiden Arbeitsfelder. Im analytischen Bereich kommen vorrangig Methoden zum Einsatz, die dem historisch-kritischen und leserorientierten Interesse dienen. Sie basieren auf den Perspektiven der Geschichts-, Sozial-, Literatur- und rezeptionsästhetischen Kommunikationswissenschaft. Im applikativen Bereich greifen letztlich nur solche Methoden, die bei der aktuellen Leser- und Hörerschaft eine Selbstreflexion und eine darüber hinausgehende Selbsterfahrung initiieren.

[Alois Stimpfle]