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Religionspädagogik

Religiosität ist bildungsfähig, in ihrer neuzeitlichen Gestalt sogar bildungsbedürftig .

Religionspädagogik als Teilbereich der Praktischen Theologie nimmt daher den Menschen als religiöses Wesen in den Blick, das sich seine Religiosität bewusst macht und gestalten will, um religiös mündig zu werden und dies in selbst bestimmter religiöser Praxis leben zu können.

Gegenstandsbereich der Religionspädagogik ist Religion in pädagogischen Prozessen, die durch das Wechselspiel von Lehren und Lernen bestimmt sind. Diese Lehr- und Lernprozesse beziehen sich jedoch nicht nur auf Institutionen des Bildungswesens, sie ereignen sich in allen Bereichen von Gesellschaft und Kirche. Das Lehren und Lernen von Religion ist konstitutiv für religiöse Bildung, es ist aber ebenso Gegenstand sämtlicher Aspekte religiöser Entwicklung, Sozialisation und Erziehung.

Aus diesem von der religionspädagogischen Sache her notwendiger Weise weit gefassten Verständnis ergibt sich eine breite Ausdifferenzierung von Arbeitsfeldern wie Religionsunterricht, Gemeindepädagogik, Erwachsenenbildung Jugendarbeit, aber auch Hochschule oder Öffentlichkeit.

Die Auffächerung der religionspädagogischen Bereiche mit ihren je eignen Signaturen führt entsprechend zu einer Spezifizierung religionspädagogischer Zielsetzungen.

Dennoch lassen sich übergreifende Ziele religionspädagogischen Handelns erkennen, an denen sich Bildungsbemühungen heute orientieren.

Rudolf Englert beschreibt sie als auszubildende Fähigkeiten, mit religiösen Traditionen, ethischen Konfliktsituationen, existentiellen Krisensituationen und religiöser Pluralität umgehen zu können. Religiöse Mündigkeit erschöpft sich nicht im kulturhermeneutischen Verständnis von Religion, sie muss sich auch gerade im Umgang mit der Pluralität religiöser Bekenntnisse bewähren und sich individuellen und globalen Herausforderungen gewachsen sehen.

Religionspädagogik hat es als Theorie der Praxis religiöser Lehr- und Lernprozesse mit einer Dimension von Wirklichkeit zu tun, die Menschen ausnahmslos und unmittelbar angeht. Religiösem Lernen kann sich niemand entziehen, es prägt die eigene Existenz – auch ohne bewusste religiöse Erziehung. Hierin liegt die besondere Verantwortung der Religionspädagogik im Kanon theologischer Disziplinen, die sich nicht auf die einer Vermittlungs- oder gar Anwendungswissenschaft reduzieren lässt.

(vgl. Englert, Rudolf : Ziele religionspädagogischen Handelns, In: G. Bitter/ R. Englert/ G. Miller/ K.E. Nipkow [Hg.]: Neues Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe, München 2002, S. 53-58.)

                                                                                                                                        [Christina Kalloch]